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TU Berlin

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Lehre

In der Lehre wollen wir die Studierenden dazu befähigen, Wissenschaft als kollektiven Arbeitsprozess in seiner Einbettung in moderne Gesellschaften zu analysieren. Sie sollen die spezifischen wechselseitigen Abhängigkeiten zu identifizieren können, die Wissenschaftler*innen in der Produktion wissenschaftlichen Wissens eingehen, den Zusammenhang zwischen Forschungsinhalten und sozialen Strukturen in der Wissensproduktion verstehen und die Formen der Einflussnahme auf Forschungsinhalte durch inner- und außerwissenschaftliche Akteure aufdecken und beurteilen können. Deshalb bieten wir folgende Lehrveranstaltungen an:

Wintersemester 2019/2020

Jochen Gläser

Einführung in die Wissenschaftssoziologie

 

Die Wissenschaftssoziologie interessiert sich für den Zusammenhang zwischen den Bedingungen, unter denen Forschung stattfindet, den Verläufen der Wissensproduktion und ihren Ergebnissen. Sie studiert damit soziale Strukturen und Praktiken, die außerhalb der Wissenschaft selten auftreten und zugleich in dem Maße immer wirkmächtiger werden, wie die Abhängigkeit anderer gesellschaftlicher Bereiche von wissenschaftlichem Wissen wächst. Die Einführung in die Wissenschaftssoziologie gibt einen Einblick in Theorien des Funktionierens und der Entwicklung von Wissenschaft, arbeitet charakteristische Mechanismen in wissenschaftlichen Arbeitsprozessen heraus und diskutiert die Einbettung der Wissenschaft in die Gesellschaft. Die TeilnehmerInnen werden befähigt, wissenschaftliche Arbeitsprozesse und deren Funktionsbedingungen zu analysieren sowie Möglichkeiten der Einflussnahme auf Wissenschaft zu identifizieren.

Organisationsphänomene in der Wissenschaft

Seminar

In der modernen Wissenschaft entstehen ständig Koordinationsprobleme, die ihr eigener sozialer Kontext – die Fachgemeinschaft – nicht lösen kann. Deshalb ist sie auf formale Organisationen, Netzwerke und Märkte angewiesen. Das Ziel der Lehrveranstaltung besteht darin, die wichtigsten in der Produktion wissenschaftlichen Wissens auftretenden Koordinationsprobleme und deren Lösung durch Organisationen, Märkte und Netzwerke zu analysieren. Wir werden aus der Literatur zu Mechanismen sozialer Ordnungsbildung Analysedimensionen ableiten, mit denen wir Koordinationsprobleme in der Wissenschaft und ihre Lösung beschreiben. Studierende, die das Seminar besucht haben, können:

- Koordinationsprobleme der Produktion wissenschaftlichen Wissens analysieren,

- Den Beitrag von Organisationen, Netzwerken, Märkten und Gemeinschaften zur Lösung dieser Koordinationsprobleme analysieren,

- Grundprobleme der Governance der Wissenschaft identifizieren und

- Grenzen und Potentiale der Anwendung von Organisationstheorien auf die Produktion wissenschaftlichen Wissens abschätzen.

Die Rückkehr der Gemeinschaft – Freiwillige offene Produktionsformen

Seminar

Eine der ältesten kollektive Produktionsformen – die gemeinschaftliche Produktion – erlebt gegenwärtig eine Renaissance, allerdings in weitgehend gewandelter Form. Anstelle lokaler, auf face-to-face Interaktionen beruhender Produktion finden wir in den neuen Produktionsgemeinschaften Offenheit – Unbestimmtheit der Mitgliedschaft, weitgehend durch die Mitglieder gesteuerte Beiträge und Ergebnisoffenheit. Typische Beispiele sind die Produktion von wissenschaftlichem Wissen und Open Source Software sowie ‚offene Innovationen’ in der Industrie. In der Lehrveranstaltung werden wir Schimanks Unterscheidung elementarer Mechanismen sozialer Ordnungsbildung benutzen, um die Funktionsweise dieser Produktionsprozesse zu verstehen, Variationen zwischen den verschiedenen Modellen zu erklären und ihre Vor- und Nachteile gegenüber traditionellen Modellen der Produktion in Organisationen und Netzwerken herauszuarbeiten. Die TeilnehmerInnen werden dazu befähigt, solche Produktionsprozesse selbständig zu analysieren. Als empirische Basis nutzen wir publizierte Analysen verschiedener Produktionsprozesse. Der Schwerpunkt der Literaturarbeit wird deshalb nicht auf dem Verstehen von klassischen Texten liegen, sondern auf der Re-Analyse von Beschreibun­gen der Produktionsprozesse. Neben der Literaturarbeit werden Internetrecherchen zu Online-Produktionsprozessen in die Lehrveranstaltung einbezogen.

Christopher Grieser

Lektüreseminar: Laboratory Life. The Construction of Scientific Facts (Bruno Latour und Steve Woolgar)

Seminar

Das 1979 erschienene Buch „Laboratory Life“ ist heute in mehrerer Hinsicht ein Klassiker der Wissenschaftsforschung: Als eine der ersten sogenannten „Labor-Studien“ markierte es die mikrosoziologische Wende der Wissenschaftssoziologie, d.h. dass das konkrete Handeln von Forschenden in ihren Laboren untersucht wurde und nicht etwa abstrakte Funktionsbedingungen der Wissenschaft als Ganzes. Hinzu kommt, dass die Studie auf methodologischer Ebene die Ethnografie als dezidierte Methode der Wissenschaftsforschung mit-etabliert hat. Und nicht zuletzt gilt „Laboratory Life“ als Inspiration und Vorläufer der Actor-Network-Theory (ANT), einem bis heute wichtigen Ansatz der sozialwissenschaftlichen Wissenschafts- und Technikforschung.

In diesem Lektüreseminar wird das gesamte Buch gelesen und die Studie dabei aus theoretischer aber auch aus methodischer Perspektive diskutiert. Die Lektüre wird dabei durch einzelne weitere Texte zur disziplin-historischen Einordnung und zur Rezeption des Buches ergänzt.

Die Digitalwirtschaft aus soziologischer Perspektive

Seminar

Die Digitalwirtschaft nimmt aus verschiedenen Gründen im heutigen Wirtschaftssystem eine Schlüsselstellung ein: 1) Sie ist Treiber und Resultat des gesamtgesellschaftlichen Prozesses der Digitalisierung, 2) die großen Internetkonzerne („Big Tech“) gehören inzwischen nicht nur zu den wertvollsten Unternehmen der Welt, sondern fungieren auch als Vorbilder für andere Unternehmen und 3) ist die Digitalwirtschaft verantwortlich für grundlegende Transformationen anderer Wirtschaftsbereiche, wie zum Beispiel der Musikindustrie, des Einzelhandels, der Gastronomie oder des Bankensektors. Ambivalenterweise werden mit der Digitalisierung dabei einerseits Hoffnungen auf eine egalitäre Gesellschaft verbunden, andererseits wird aber auch vor verschiedenen Gefahren gewarnt, wie etwa einer Totalüberwachung der Gesellschaft.

Ziel dieses Seminar ist es, ein grundlegendes Verständnis davon zu erarbeiten, wie die Digitalwirtschaft operiert und wie die Digitalisierung auch andere Wirtschaftsbereiche verändert. Dabei werden sowohl die großen Internetkonzerne, als auch die Start-up-Kultur und Open Source Communities thematisiert. Neben grundlegenden theoretischen Überlegungen zu Konzepten wie „Plattformökonomie“ oder „Algorithmen“ werden in dem Seminar auch konkrete, empirische Studien behandelt. Ergänzt wird das Seminar um kurze Exkurse zur historischen Entwicklung des Silicon Valley und zu ökonomischen Theorien der Digitalwirtschaft.

Sommersemester 2019

Jochen Gläser

Betrug, Täuschung und fragwürdige Forschungspraktiken

Seminar

Das Ziel des Seminars besteht darin, Bedingungen und Folgen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in historischen und fächervergleichenden Perspektiven zu erkunden. Wissenschaftliches Fehlverhalten ist für zahlreiche Fachgemeinschaften zu einem wichtigen Diskussionspunkt geworden, weil der Anteil gefälschter, geschönter, oder aus anderen Gründen nicht reproduzierbarer Publikationen zu wachsen scheint, und weil anscheinend auch Plagiate und Selbst-Plagiate häufiger werden. Schätzungen liegen zwischen 2% für direkte Fälschungen und mehr als 30% für fragwürdige Forschungspraktiken. Im Seminar werden wir diese problematischen Praktiken von Wissenschaftler*innen und ihren Einfluss auf die Wissensproduktion der Fachgemeinschaften in einer wissenschaftssoziologischen Perspektive diskutieren. Wir versuchen, die Bedingungen zu rekonstruieren, die wissenschaftliches Fehlverhalten begünstigen, mögliche Auswirkungen von Fehlverhalten auf die Produktion der Fachgemeinschaften zu identifizieren und die von den Fachgemeinschaften ergriffenen Gegenmaßnahmen zu beurteilen. Dabei kombinieren wir einen Überblick über heutige Praktiken mit historischen Perspektiven auf klassische Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

Akademische Karrieren im Wandel

Seminar

Das Ziel des Seminars besteht darin, den Wandel von Forscher*innenkarrieren in international vergleichenden und fächervergleichenden Perspektiven zu erkunden. Forscher*innenkarrieren konstituieren einen wichtigen Kanal, durch den Politik und Fachgemeinschaften die Wissensproduktion beeinflussen, indem sie darüber entscheiden, wer Möglichkeiten zur Realisierung von Forschungsideen erhält, wie gut diese Möglichkeiten sind, und in welcher Umgebung diese Ideen realisiert werden. Karrieren ermöglichen damit die Realisierung individueller Forschungsprogramme. Wir werden ein soziologisches Modell von Forscher*innenkarrieren auf Rekonstruktionen von Karrieren in verschiedenen Epochen der Wissenschaftsentwicklung anwenden und nachzeichnen, wie sich die Bedingungen gewandelt haben, unter denen Forscher*innen ihre Karrieren realisieren. Auf dieser Grundlage werden wir den Einfluss von Karrieren auf die Entwicklung und das Verfolgen wissenschaftlicher Ideen beurteilen.

 

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